Erster gegen Letzter. G. hat zwar einige stärkere D-Jugendliche, setzt diese aber nur in der C und B Jugend ein. Im Hinspiel hat ZeeBee in doppelter Unterzahl spielen lassen, ohne dass sich das irgendwie ausgewirkt hätte. Zum Rückspiel bittet Trainerin Regine um Gleichzahl, sonst könnten ihre Mädchen kein 1-gegen-1 üben. ZeeBee schlägt vor, vielleicht die Torhüter zu tauschen. Im Hinspiel hatte die gegnerische Keeperin wenig zu lachen gehabt. Vor dem Anpfiff fragt ZeeBee Trudchen, ob sie in der ersten Hälfte ins Tor ginge. "Ja." Ob sie auch beim Gegner ins Tor gehen würde. "Ja." ZeeBee dankt seiner Keeperin, ist stolz. Regine schlägt vor, die Torhüter erst mitten in der Hälfte zu tauschen.
Anpfiff, der Größenunterschied verheißt wieder nichts Gutes. Nach wenigen Augenblicken kristallisiert sich heraus, dass für das heutige Spiel wieder einmal "passives Spiel" abgeschafft worden ist. G. spielt sich den Ball durch die Reihen, ZeeBee muss seine Mädchen auf vierzehn, fünfzehn Meter raustreiben, damit keine Endlosangriffe ausgespielt werden. So langsam pendelt sich ein gewisser Rhythmus ein. Abwehr, vier bis fünf Freiwürfe, Ball abgefangen, Gegenstoß, Tor. Die Zuschauer leiden. Eine Regel, die Inaktivität des Angriffs unterbindet, wäre jetzt toll. Gibt es aber leider nicht, ZeeBee überdehnt seine Stimmbänder beim ständigen Raustreiben der Abwehr, die lieber Tore verhindern als den Ball erobern möchte. 18:4, Abpfiff.
Endlich Halbzeit, den Torhüterwechsel haben die Trainer irgendwie verschlafen. ZeeBee fragt Ludmilla, ob sie ins gegnerische Tor gehen würde. Die springt vor Schreck vier Meter zurück. ZeeBee fragt Trudchen, die sich gerade fertig macht, ins Feld zu wechseln. Die ist entgeistert, was denn der Quatsch solle. ZeeBee hält ihr vor, dass sie vor dem Spiel noch zugesagt hat. Davon weiß Trudchen nichts mehr. Inzwischen schalten sich Elfriede und Roggisch ein, wir könnten ja Torhüter tauschen und unsere Keeperin als trojanisches Pferd der Abwehr einschleusen, das der Abwehr in den Rücken fällt. ZeeBee fragt sich, ob das wirklich seine Mannschaft ist, die er gerade vor sich hat.
ZeeBee schleicht zu G., entschuldigt sich für seine Zicken und legt einen Offenbarungseid ab, dass er jegliche Autorität heute verloren hat. Regine grinst. ZeeBee schaut in die Runde, entdeckt bei G. einen Haufen sympathischer kleiner Handballerinnen. ZeeBee blickt über die Schulter, betrachtet seine Mannschaft, schaut zurück und schlägt einen Mannschaftstausch vor. Regine will aber ihre Mädchen behalten. ZeeBee konkretisiert den Vorschlag, es gehe nur um eine Halbzeit. Die Mädchen springen darauf an, Regine blickt skeptisch in die Runde, der Schieri drängt zum Anpfiff, ZeeBees Mädchen fragen nach der Aufstellung für die zweite Hälfte, ZeeBee verweist an die neue Trainerin und marschiert zur Bank des Gegners. Zumindest ZeeBees neue Mannschaft ist erfreut.
Anpfiff. ZeeBee hat nun zwei Auswechselspielerinnen, eine jugendliche Assistentin und eine Menge Mädchen, deren Namen er nicht kennt. Egal. ZeeBee peitscht sein neues Team nach vorne. Nach und nach kommt Bewegung in den Angriff. G.s Spielerinnen kommen etwas in Schwung, das Spiel mit Ball wird schneller, das Spiel ohne Ball erblickt das Licht der Welt. ZeeBees Mädchen wirken verunsichert, der Schreihals von der Seitenlinie arbeitet nun gegen sie. Tor für G. Großer Jubel, auch bei ZeeBee. Die nächsten zwei oder drei Würfe von ZeeBees alter Mannschaft gehen vorbei oder werden gehalten. ZeeBee winkt eine Spielerin nach der anderen raus, erklärt individuelles Abwehrverhalten, fordert die Kreisläuferin zum Gegenziehen auf, statt dem Rückraum den Weg zu versperren, holt den Rückraum weiter von der Abwehr weg, beordert die Außen zur Außenlinie. ZeeBees ehemalige Mannschaft wird immer unsicherer. Mehrmals entstehen ungewohnte Lücken, ZeeBees neue Mädchen finden sie und kommen zu Torchancen. Auf Rechtsaußen hat ZeeBee eine winzig kleine E-Jugendliche, zudem noch Rechtshänderin. ZeeBee erklärt ihr, dass sie zu weit in der Mitte stehe und dass sie mit Ball doch mal auf der Außenbahn durchbrechen solle. Dort hat sie es zwar mit Roggisch zu tun, die hat aber gerade von ZeeBee gelernt, Rechtshänder auf der rechten Seite lediglich zu begleiten, den Wurfwinkel zu verkürzen, aber ansonsten durch zu lassen. ZeeBees winzig kleine E-Jugendliche bekommt den Ball, prellt auf der Außenbahn durch, wird von Roggisch lediglich begleitet, hüpft am Torkreis hoch - und wirft den Ball irgendwie an Ludmilla vorbei in die lange Ecke. ZeeBee jubelt und ist stolz auf seine neue Spielerin.
Auf der anderen Seite steigert sich ZeeBees neue Torhüterin, kann eine Menge Bälle halten oder die Mädchen vom TuS B. werfen einfach vorbei. Irgendwie scheint der Gegner von der Rolle zu sein. Trude versucht sich an einem Kempa, springt aber leider im Torkreis ab. Die gegnerische Deckung bröckelt immer mehr, die Zahl der Durchbrüche hätte ZeeBee längst zur Weißglut getrieben. Aber ZeeBee coacht ja zum Glück die Mannschaft der Stunde. ZeeBees große Kreisläuferin erhält nun mehr Pässe, kann sich mehrmals durchsetzen. Die Ersatzspielerinnen haben die gesamte Halbzeit ein breites Grinsen im Gesicht, können die Posse noch gar nicht richtig glauben. Hilfsbereit sagen sie ständig die Namen ihrer Mitspielerinnen vor, die entweder angewiesen werden oder wechseln sollen. Die gegnerischen Mädchen sind irritiert, dass sich ZeeBee über ihre Fehlversuche freut. Nach dem Spiel tauschen Regine und ZeeBee wieder ihre Mädchen. ZeeBee wird ohne Proteste wieder aufgenommen und darf dem Ritualkreis beiwohnen.
Die erste Hälfte hatte G. noch mit 14 Toren verloren, die zweite Hälfte endet übrigens nur noch 14:7. Nicht schlecht, so ein Zickentausch!
Dein
Karsten